Lärmschutzwand aus Schilf, Thermoholz und Lehm an der A1 West Autobahn bei Völlerndorf
Lärmschutzwand aus Schilf, Thermoholz und Lehm an der A1 West Autobahn bei Völlerndorf
© Strabag

Erste Schilf-Lärmschutzwand an der A1 West Autobahn in Betrieb

Die erste Schilf-Lärmschutzwand an der A1 West Autobahn ist bei Völlerndorf in Betrieb gegangen. Auf rund einem Kilometer schützen Elemente aus Thermoholz, Lehm und Schilf vom Neusiedler See die Anrainerinnen und Anrainer vor Verkehrslärm.

Bei Völlerndorf an der A1 West Autobahn ist eine Schilf-Lärmschutzwand in Betrieb gegangen. Auf einem rund einen Kilometer langen Abschnitt bestehen die Lärmschutzwände aus Schilf, Holz und Lehm. Das Schilf stammt aus dem Raum Neusiedler See. Die ASFINAG testet damit im Zuge der Sanierung der A1 eine Lärmschutzanlage aus regionalen Naturmaterialien.

Errichtet wurden die Wände im Rahmen der laufenden Instandsetzung der A1 zwischen St. Pölten und Völlerndorf. Dabei werden auch bestehende Lärmschutzwände ersetzt, die mehr als 20 Jahre im Einsatz waren.

Rahmen aus Thermoholz, Füllung aus Lehm

Die neuen Elemente kommen auf einer Fläche von rund 2.690 Quadratmetern zum Einsatz. Sie bestehen aus einem Rahmen aus Thermoholz, einer Lehmfüllung und einer beidseitigen Schilfabdeckung. Entwickelt wurde das System von REEDUCE.

Lärmschutzwand-Element aus Schilf
© Strabag

Für Peter Hanke, Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, ist der Schutz vor Verkehrslärm „ein wesentlicher Bestandteil unserer Infrastrukturpolitik“. Die ASFINAG investiere laufend in Lärmschutzmaßnahmen und setze dabei auf unterschiedliche Lösungen, „von Solar-Lärmschutzwänden bis hin zu naturnahen Konstruktionen aus Schilf, wie hier bei St. Pölten“.

Schilf-Lärmschutzwand muss gleiche Schutzwirkung erbringen

ASFINAG-Vorstand Hartwig Hufnagl stellt die Schutzwirkung in den Vordergrund: „Mit der neuen Anlage verbessern wir den Lärmschutz im Raum Völlerndorf. Gleichzeitig sammeln wir Erfahrungen mit einer Bauweise, die auf regionale Naturmaterialien setzt.“ Entscheidend sei, dass die Schutzwirkung den gleichen Anforderungen entspreche wie bei herkömmlichen Lärmschutzwänden.

Nach Angaben von Birgit van Duyvenbode, Gründerin und CEO von REEDUCE, erfüllt die Wand dieselben technischen Anforderungen wie herkömmliche Systeme. Zusätzlich sei sie kreislauffähig und klimaschonend. Mit dem ersten Autobahnkilometer habe das Unternehmen einen wichtigen Meilenstein erreicht.

Schilfmanagement am Neusiedler See

Für einen Kilometer Wand wurden 4.000 Bund Schilf verwendet. Das entspricht etwa 1,5 Prozent der gesamten österreichischen Schilfernte. Der Direktor des Nationalparks Neusiedler See-Seewinkel sieht in der Schilfnutzung „noch viel Potenzial“. Schilf sei ein nachwachsender Rohstoff, sein Management trage zu einem gesunden Ökosystem bei und helfe, Brut- und Rückzugsräume am Neusiedler See zu erhalten.

Besonders wichtig ist das Schilfmanagement für die Sodalacken, die charakteristischen salzhaltigen Gewässer im Seewinkel. Für ihren Bestand müssen die Randbereiche offen gehalten und die Verschilfung zurückgedrängt werden. „Ohne aktives Schilfmanagement funktioniert das nicht“, so der Nationalparkdirektor. Projekte wie die Lärmschutzwand führen das geerntete Schilf einer sinnvollen Verwendung zu.

Pilotprojekt von ASFINAG, STRABAG und REEDUCE

Umgesetzt wurde das Pilotprojekt gemeinsam von ASFINAG, STRABAG und REEDUCE. Für STRABAG-Projektleiter Reinhard Tremmel zeigt die Umsetzung, dass leistungsfähige Infrastruktur und ressourcenschonendes Bauen kein Widerspruch seien. Solche Projekte würden helfen, „neue Wege im Bauwesen praktisch zu erproben“. Wie sich die Bauweise im laufenden Autobahnbetrieb bewährt, soll der Pilotabschnitt bei Völlerndorf zeigen.