Rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wissenschaft, Industrie, Kommunikation, Politik und NGOs kamen am 29. und 30. Juni in Wien zu einem Workshop zusammen. Ziel war es, die Forschungsagenda und die Kommunikationsstrategie für nachhaltige Holzlösungen im Bausektor festzulegen
© SITCA

Holzbau als globaler Hebel für den Klimaschutz

Holzbau soll zum globalen Hebel im Kampf gegen die Klimakrise werden: Mit der Science and Timber Construction Alliance (Sitca) bündeln Wissenschaft und Bauwirtschaft ihre Kräfte, um den Bausektor von einer CO₂-Quelle zu einer Kohlenstoffsenke zu machen. Unter der Federführung des Klimaforschers Hans Joachim Schellnhuber ist die Initiative am 1. Juli 2026 in Wien gestartet.

Holzbau soll den Bausektor vom Klimaproblem zum Klimaschützer machen. Unter der Federführung des Klimaforschers Hans Joachim Schellnhuber ist am 1. Juli 2026 in Wien die Science and Timber Construction Alliance (Sitca) gestartet – eine neue Allianz aus Wissenschaft und Industrie mit dem Ziel, den Bausektor durch nachhaltige Waldwirtschaft und modernen Holzbau zu einem Motor für den Klimaschutz zu machen. Gemeinsam mit den Gründungspartnern IIASA, Hilti, Wiehag, binderholz, Egger Holzwerkstoffe, Stora Enso und den Österreichischen Bundesforsten bündelt Sitca wissenschaftliche Expertise und die Innovationskraft von Unternehmen der Bau- und Forstwirtschaft.

Holzbau als Werkzeug gegen den Klimawandel

„Wir bewegen uns auf gefährliche Kipppunkte im Klimasystem zu. Gleichzeitig ist die globale gebaute Umwelt für mehr als ein Drittel der CO₂-Emissionen verantwortlich – hier befindet sich deshalb der größte Hebel, um eine drohende ‚Heißzeit' noch abzuwenden", betont Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber, Generaldirektor des IIASA, zum Auftakt in Wien. „Städte müssen von CO₂-Quellen zu Kohlenstoffsenken werden. Der Holzbau ist dafür das wichtigste Werkzeug."

Die „Wald-Bau-Pumpe": Wissenschaft erklärt das Konzept

„Durch die Verbrennung fossiler Energieträger und die Zerstörung natürlicher Ökosysteme hat sich die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre deutlich erhöht. Bäume nehmen CO₂ durch Photosynthese auf und speichern den Kohlenstoff in ihrem Holz. Wird dieses Holz für langlebige Gebäude genutzt, bleibt der Kohlenstoff über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte gebunden, während im Wald neue Bäume nachwachsen und weiteres CO₂ aufnehmen. Auf diese Weise wird der Atmosphäre kontinuierlich CO₂ entzogen und über den Wald sinnbildlich in die gebaute Umwelt ‚gepumpt'. Nachhaltige Forstwirtschaft und Holzbau können so gemeinsam mit Wiederverwendung und modernen Recyclingtechnologien eine langfristige Kohlenstoffsenke bilden", erklärt Schellnhuber das grundlegende Konzept der Allianz.

Belastbare Fakten für die Wirtschaft

Die Allianz zielt im Wesentlichen auf die Bereitstellung wissenschaftlicher Fakten und auf das Schaffen von Bewusstsein unter Entscheidungsträgern ab. „Mit Sitca schaffen wir die wissenschaftliche Basis, um Entscheidungsträger aus Politik, Behörden, Immobilien- und Bauwirtschaft weltweit von einem Paradigmenwechsel zu überzeugen. Weg von CO₂-intensiven Materialien, hin zu regenerativen Baustoffen", unterstreicht Dr. Erich Wiesner, CEO von Wiehag, die zentrale Aufgabe der Allianz.

Holzbau erhält breite Unterstützung aus der Politik

Bundesminister Norbert Totschnig sieht in der Initiative einen wichtigen Baustein für die heimische Klimapolitik: „Wer mit Holz baut, spart gleich doppelt CO₂. Einerseits wird Kohlenstoff langfristig im Holz gebunden, andererseits der Einsatz emissionsintensiver Baustoffe reduziert. Deshalb treibt Österreich den Holzbau seit Jahren konsequent voran, etwa mit den Stiftungsprofessuren für Holzbau oder dem Staatspreis Holzbau. Gerade im mehrgeschossigen Wohnbau liegt aber noch enormes Potenzial. Mit Initiativen wie Sitca bündeln wir Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, stärken Innovation und schaffen das Know-how für eine klimafreundliche und nachhaltige Zukunft."

Biodiversität und gesellschaftliche Akzeptanz mitgedacht

Für Prof. Dr. Daniela Kleinschmit, Präsidentin des Internationalen Waldforschungsverbandes IUFRO, ist die gesellschaftliche Komponente entscheidend: „Holzbau funktioniert nur mit einem gesunden Wald. Wir integrieren Biodiversität und soziale Aspekte von Beginn an, um die notwendige Akzeptanz in der Bevölkerung sicherzustellen." IUFRO ist als wissenschaftlicher Partner im Beirat der Allianz vertreten und bringt die Expertise eines weltweiten Netzwerks von Forschenden ein.

Internationale Vernetzung mit der FAO

Sitca arbeitet in enger Abstimmung mit der Kommunikationsinitiative „Grow the Solution" der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). „Weltweit sind wir mit einer Diskrepanz zwischen dem dringenden Bedarf an klimafreundlichen Baustoffen und der bislang geringen öffentlichen Wahrnehmung von nachhaltig produziertem Holz im Bauwesen konfrontiert. Wir begrüßen die Sitca-Initiative, da dadurch faktenbasierte Informationen in nachhaltige, waldbasierte Lösungen einfließen", hebt Dr. Ewald Rametsteiner, Vizedirektor der Forstabteilung der FAO, die internationale Bedeutung hervor.

Fundament aus Industrie und Politik

Neben der Wissenschaft stützt sich Sitca auf Schwergewichte der Branche: Die Gründungspartner sowie seit Kurzem der erste neue Wirtschaftspartner, die Hasslacher Gruppe, stehen für die gesamte waldbasierte Wertschöpfungskette.

Die Ziele von Sitca im Überblick:

  • Wissenschaftliche Grundlagen stärken: belastbare Erkenntnisse zu nachhaltiger Holzverfügbarkeit, CO₂-Bindung und zukunftsfähigen Holzbausystemen schaffen.
  • Akteure vernetzen und Dialog fördern: relevante Stakeholder zusammenbringen und den Austausch über wissenschaftliche Erkenntnisse und gemeinsame Botschaften stärken.
  • Bewusstsein schaffen und Entscheidungen unterstützen: die Vorteile nachhaltiger Waldbewirtschaftung und des Holzbaus faktenbasiert vermitteln und in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft verankern.

Weitere Informationen unter www.sitca.earth