Innovationskongress 2026: Innovation braucht Mut, Daten und Ownership
Der Innovationskongress stand heuer unter dem Motto „Ohne Fortschritt keine Zukunft – ohne Innovation kein Erfolg“. Über den Tag hinweg zeigte sich ein roter Faden: Innovation ist kein Selbstzweck. Entscheidend ist, ob neue Technologien, Prozesse und Geschäftsmodelle einen messbaren Nutzen bringen und ob sie aus Pilotprojekten in den Regelbetrieb überführt werden. Steffen Robbi, CEO von Digital Findet Stadt, fasste das in seinen Schlussworten so zusammen: „Veränderung passiert so schnell, dass wir nicht mehr auf vollständige Sicherheit planen können. Wir brauchen robuste Grundlagen, Mut, Vertrauen und die Fähigkeit, mit Veränderung umzugehen.“
Innovationskongress: Ownership statt Warten auf Gewissheit
Eröffnet wurde der Kongress von Steffen Robbi und Silvia Bruni, CEO des CAPE10. In ihrer Keynote „Innovation. Jetzt.“ argumentierte Katharina Aguilar, dass Unternehmen nicht warten können, bis alle Informationen vorliegen. Innovation brauche Menschen, die Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und Lösungen laufend weiterentwickeln – Scheitern und Iteration inklusive. Ihr Schlüsselbegriff: Ownership.
In der CEO-Runde diskutierten Nadja Pröwer (Turner & Townsend), Claudia Brey (ÖBB), Peter Schaller (UBM Development) und Katharina Aguilar, wie sich Innovation in Organisationen verankern lässt. Innovation sei nicht mit KI gleichzusetzen; auch bestehende digitale Werkzeuge bringen Effizienzgewinne, wenn die Prozesse mitwachsen. Weitere Themen waren das Lernen aus Projekten, das Arbeiten über Abteilungsgrenzen hinweg und das Rückwärtsplanen vom gewünschten Ergebnis aus.
Was der Innovationskongress zum digitalen Planen zeigte
Der erste Fachblock drehte sich um Informationsflüsse in der Planung. Das Problem der Branche seien selten fehlende Daten, sondern dass die richtigen Informationen nicht strukturiert und rechtzeitig verfügbar sind. Frank Mettendorff (FCP) beschrieb den „Datenstau“ zwischen Planung, Bau und Betrieb und plädierte mit dem Bild vom Kreisverkehr statt der Kreuzung für weniger zentrale Freigaben und mehr dezentrale Verantwortung. Katharina Marie Lennartz (Carpus+Partner) zeigte, dass Digitalisierung allein keine bessere Planung erzeugt: Erst die Verbindung von Lean und Agile Management mit BIM schaffe transparente Prozesse und einen gemeinsamen Informationsstand.
Steffen Robbi stellte das Forschungsprojekt BIMsustAIn vor, in dem KI unvollständige BIM-Modelle ergänzt – etwa bei der Klassifikation von Bauteilen, der Zuordnung von Materialien und der Vorbereitung von Nachhaltigkeitsbewertungen. Michael Larisch (crais) präsentierte einen webbasierten openBIM-IFC-Viewer mit KI-Funktionen.
Digitales Bauen: von der Taktplanung zur automatisierten Fertigung
Im zweiten Block ging es um das Zusammenspiel von Prozessdigitalisierung, Industrialisierung und Automatisierung. Barbara Freiler (HANDLER Gruppe) zeigte, wie Taktplanung Bauabläufe planbarer macht: „Nicht die Software selbst ist die Innovation, sondern die Methode dahinter.“ Bernd Oswald (GROPYUS) berichtete aus Projekten im industrialisierten Wohnbau, in denen digitale Prozesse, Echtzeitdaten und automatisierte Vorfertigung die Laufzeiten stark verkürzen: „Wir reden hier von Monaten und nicht mehr von Jahren.“ Russell Loveridge (ETH Zürich) gab Einblick in Digital Fabrication bis hin zu Robotern, die mit KI-Unterstützung Bauteile und Module bearbeiten und zusammensetzen. Ivan Voloshyn (Planara) stellte eine digitale Vorprüfung von Bauanträgen in Wien vor.
Digitales Betreiben: die richtigen Daten statt mehr Daten
Aline von Baumbach (BIG) präsentierte das zentrale Energieverbrauchsmonitoring der Bundesimmobiliengesellschaft als Basis für energieeffizienten Betrieb und KI-gestütztes Energiemanagement. Ina Werner (Siemens) befasste sich mit heterogenen Bestandsportfolios, in denen unterschiedliche Gebäudeleittechniken und Insellösungen Aufwand und Kosten erhöhen, und zeigte einen Ansatz, bestehende Systeme über offene, interoperable Strukturen zusammenzuführen. Gerhard Zucker (AIT) widmete sich mit dem Projekt FacilityQ der Übergabe vom Bau in den Betrieb: Dokumente sollen automatisiert klassifiziert, mit BIM-Objekten verknüpft und über offene Schnittstellen an CAFM-Systeme übergeben werden. Roman Rath stellte die KI-Plattform project-home.ai vor. Die Botschaft des Panels: Nicht die Datenmenge entscheidet, sondern ob relevante Informationen in ausreichender Qualität zur richtigen Zeit bei den richtigen Personen ankommen.
Kamingespräche und Forschungsprojekte
Drei Kamingespräche boten Raum für vertiefenden Austausch. Nina Königshofer und Janine Schulyok (M.O.O.CON) gingen unter dem Titel „Aktenzeichen Gebäudebestand“ der Frage nach, wo bei Bestandsdokumentation und Übergabe Informationen verloren gehen. Ina Werner lud zum „Realitätscheck Gebäudebetrieb“, Stefan Pernet und Heinz-Michael Ruhland (NEVARIS) sprachen über die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Bauwirtschaft. In der Innovation Corner stellte Digital Findet Stadt laufende Forschungsvorhaben vor, darunter BauHALPS, BIMsustAIn, CSR:H, KRAISBAU, Weiterbildungs-Lab und ReSpace – von kreislauffähigem Bauen über digitale Bestandsdaten bis zu KI-gestützten Entscheidungsgrundlagen.
Die Digitalakademie verloste zudem drei Plätze in der KI-Praxiswerkstatt Bau & Immobilien, die am 12. November 2026 startet.
Was der Innovationskongress als Fazit mitgibt
Die Bandbreite reichte von Lean Management, BIM und KI über industrielle Vorfertigung und Robotik bis zu Energiemonitoring und digitalem Gebäudebetrieb. Der gemeinsame Nenner laut Veranstalter: Innovation beginnt nicht bei einer Technologie, sondern bei einem konkreten Problem. Sie braucht Daten, funktionierende Prozesse, Menschen, die Verantwortung übernehmen, und Unternehmen, die Lösungen tatsächlich umsetzen.