Gruppenfoto von fünf Personen vor einer Pressewand mit dem Logo von CEOs for Future
Diskutierten über Regionalvergabe (v. l. n. r.): Klaus Petraschka (KPPK Ziviltechniker), Caroline Palfy (Loud4Planet Development), Renate Messner (SynerGIS), Birgit Kraft-Kinz (CEOs for Future) und Martin Schiefer (Schiefer Rechtsanwälte)
© CEOs FOR FUTURE / Martin Hron

Regionalvergabe: Bestbieter statt Billigstbieter

Die Regionalvergabe soll Aufträge, Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Land halten. Beim Hintergrundgespräch der Plattform CEOs for Future zeigten Praktikerinnen und Praktiker, wo es im Vergabealltag hakt und was der angekündigte Aktionsplan der Bundesregierung leisten muss.

Rund 67 Milliarden Euro gibt die öffentliche Hand in Österreich laut einer Analyse des Lieferketteninstituts ASCII jährlich für Produkte und Dienstleistungen aus. Mit jeder Ausschreibung entscheidet sich, ob Aufträge und Arbeitsplätze in der Region bleiben. Die Regionalvergabe ist deshalb für die Plattform CEOs for Future ein zentraler Hebel. Beim Hintergrundgespräch am 22. Oktober in Wien diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Planung, Bau, Geodaten und Vergaberecht, wie sich dieser Hebel in der Praxis nutzen lässt.

Rückenwind aus der Politik

Den Anstoß lieferte das Wirtschaftsministerium mit dem Leitprinzip „Made in Europe and Partner Countries“. Bei Vergaben sollen künftig neben dem Preis europäische Wertschöpfung, Versorgungssicherheit, Qualität und Lebenszykluskosten stärker zählen. Am 14. Oktober unterzeichneten Bundesregierung und staatsnahe Unternehmen wie ÖBB, APG, Post und Verbund die „Made in Europe“-Deklaration. Bis Jahresende soll ein Aktionsplan für strategische Beschaffung vorliegen. Offen ist, was als europäische Wertschöpfung zählt und wie regionale Betriebe tatsächlich zum Zug kommen.

Regionalvergabe ist schon heute möglich

Für Martin Schiefer, Gründer und Partner von Schiefer Rechtsanwälte, ist die Initiative ein Meilenstein. „Vergaberecht ist Zukunftsrecht. Schon heute erleichtern Losvergaben KMU den Zugang, das Bestbieterprinzip berücksichtigt Qualität und Wertschöpfung vor Ort“, sagt er. Wie das konkret geht, zeigen der 2026 mit seiner Kanzlei erarbeitete Vergabeleitfaden der WKO Steiermark und der Leitfaden „Rot-Weiß-Rote Vergaben“ der Gewerkschaft Bau-Holz.

Im Gespräch plädierte Schiefer dafür, Projekte über ihre gesamte Lebensdauer zu rechnen statt nur über die Errichtungskosten. Sein Beispiel: „Wenn eine Kommune heute beim Feuerwehrhaus in Gas investiert, hat sie in drei Jahren ein veritables Problem.“ Wärmepumpe, Photovoltaik und Speicher kosteten zunächst etwas mehr, seien auf lange Sicht aber die günstigste Lösung.

Hoher Aufwand für Planungsbüros

Wie viel Arbeit in Vergabeverfahren steckt, zeigt die Planungspraxis. Bei offenen Verfahren investieren oft 30 bis 40 Architektur- und Ingenieurteams mehrere tausend Stunden. „Der Vorstoß zur Regionalvergabe stärkt die heimische Bau- und Planungswirtschaft. Bei KPPK Ziviltechniker sehen wir täglich, wie aufwendig Vergabeverfahren sind. Gezielte Direktvergaben entlasten Planungsbüros spürbar“, sagt Klaus Petraschka, geschäftsführender Gesellschafter von KPPK Ziviltechniker. Allein der Nachweis von Kompetenz sowie wirtschaftlicher und technischer Leistungsfähigkeit erfordert zahlreiche Dokumente. Die Datenbanken des Auftragnehmerkatasters Österreich (ANKÖ) helfen dabei, sofern Auftraggeber sie nutzen.

Auch beim Honorar sieht Petraschka Handlungsbedarf. Trotz Bestbieterverfahren komme im Verhandlungsverfahren immer wieder der Billigstbieter zum Zug. „Der niedrigste Planungspreis ist nicht unbedingt das wirtschaftlichste Angebot“, sagt er. Andere Länder gehen andere Wege. In Italien werde bei Planerwettbewerben das Honorar teils von vornherein festgelegt, in der Schweiz gebe es Verfahren, bei denen das billigste und das teuerste Angebot ausscheiden.

Bestbieter statt Billigstbieter

Caroline Palfy, Baumeisterin und Geschäftsführerin von Loud4Planet Development, fordert einheitliche Regeln. „Bei öffentlichen Vergaben soll der Bestbieter zum Zug kommen, nicht der Billigstbieter. Dafür braucht es bundesweit einheitliche, transparente und verbindliche Maßstäbe“, sagt sie. Einheitliche Kriterien sichern aus ihrer Sicht Wertschöpfung und halten Arbeitsplätze im Land. Beim Hintergrundgespräch wurde sie deutlich: „Wer glaubt, dass er billig ausschreibt, baut nicht günstig.“ Ein Gebäude werde nicht für den Tag der Übergabe errichtet, sondern für die nächsten 50 bis 100 Jahre. Entsprechend wichtig seien Lebenszykluskosten, Wartung und die CO₂-Bilanz.

Daten als Wettbewerbsfaktor

Damit Herkunft, Qualität und Lebenszykluskosten zählen, müssen sie bewertbar sein, möglichst ohne neue Berichtspflichten, wie auch die WKÖ-Bundessparte Industrie fordert. Renate Messner, CEO von SynerGIS, sieht in Daten den Schlüssel: „Bei SynerGIS zeigen digitale Zwillinge, wie Gebäude und Infrastruktur zielgerichtet begleitet werden. Auch im Vergabeverfahren wird Datenqualität zunehmend zum echten Wettbewerbsfaktor.“ Bei den ÖBB etwa dokumentieren digitale Zwillinge den gesamten Lebenszyklus vom Materialeinsatz bis zum Ressourcenverbrauch. Ihr Appell zum Abschluss des Gesprächs: „Denken wir geografisch und denken wir über den Tellerrand hinaus. Dann können wir unseren Standort sichern.“

Aktionsplan als Prüfstein

Für CEOs for Future ist der Aktionsplan die Chance, das Bekenntnis der Deklaration in konkrete Vergaben zu übersetzen. „Rund 67 Milliarden Euro an öffentlichen Aufträgen sind ein starker Hebel für den Neubau. Als starke Stimme aus der Wirtschaft wollen wir ihn nutzen – für einen fossilfreien, ressourcenschonenden und erfolgreichen Standort“, sagt Birgit Kraft-Kinz, stellvertretende Obfrau von CEOs for Future.