ACR-Awards 2026: Virtuelle Brandprüfung und modulare Sanierungsfassade ausgezeichnet
Die ACR-Awards 2026 wurden am 14. Oktober im Rahmen der ACR-Enquete in Wien verliehen. Austrian Cooperative Research (ACR), der Verbund kooperativer Forschungseinrichtungen der österreichischen Wirtschaft, zeichnet gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) jedes Jahr Projekte aus, die ACR-Institute gemeinsam mit oder für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt haben. Vergeben wurden drei Innovationspreise, der ACR Woman Award powered by FFG und der ACR Start-up Preis.
Virtuelle Brandprüfung statt Großversuch
Einer der Innovationspreise ging an das Projekt „ProSim“ des Instituts für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung (IBS) und der DOMICO Dach-, Wand- und Fassadensysteme KG. Ziel war es, einen Teil der realen Brandprüfungen für Bauprodukte durch Simulationen zu ersetzen. Reale Prüfungen sind technisch aufwendig, teuer und verursachen Emissionen.
Das Team kombinierte mehrere Simulationsmethoden, die abbilden, wie Werkstoffe bei hohen Temperaturen an Festigkeit verlieren und sich verformen. Grundlage war das Vorgängerprojekt SimbraWood, in dem ein digitales Modell der temperaturabhängigen Materialeigenschaften entstand, die sogenannte „Stoff-DNA“. Reale Brandversuche bestätigten den Ansatz. Laut ACR lassen sich damit erstmals Brandschutzfragen bei übergroßen Bauteilen auf diese Weise beantworten, ebenso bei Sonderkonstruktionen und im Bestand. „Mit der virtuellen Brandprüfung können wir Entwicklungszyklen um 30 % bis 50 % reduzieren“, sagt Projektleiter Stefan Thumser. Die Projektpartner erwarten, dass simulationsgestützte Verfahren künftig in Normung und Zertifizierung Eingang finden.
Modulare Holzfassade für die Sanierung im Bestand
Ebenfalls mit einem Innovationspreis ausgezeichnet wurde „RENVELOPE“ von AEE – Institut für Nachhaltige Technologien und der Kärntner Weissenseer Holz-System-Bau GmbH. Das Projekt zielt auf eine schnellere Sanierung von Gebäuden aus den Baujahren 1950 bis 1990 mit vorgefertigten Fassadenelementen aus Holz.
Ein modulares System erlaubt unterschiedliche Fassadenkonfigurationen, die dennoch standardisierbar und skalierbar bleiben. Komponenten für Heizen und Kühlen sowie Photovoltaik werden direkt in die Gebäudehülle integriert. Durch die industrielle Vorfertigung verkürzt sich die Montagezeit auf der Baustelle, Bewohnerinnen und Bewohner werden weniger belastet. „Unser Ansatz war es, die essenziellen Funktionen einer thermischen und energetischen Sanierung in ein Element zu verpacken“, erklärt Projektleiter Christoph Rohringer. Erprobt wurde das System an drei Demonstrationsgebäuden, gemeinsam mit Architekturbüros, Technologieanbietern, Eigentümern und ausführenden KMU. Laut ACR könnten mit der Methode rund 10.000 Gebäude wirtschaftlich saniert werden, das entspräche bis 2040 etwa zwei Gebäuden pro Tag. Das Projekt läuft noch bis Februar 2027.
ACR-Awards 2026: Woman Award für dataholz.eu
Der ACR Woman Award powered by FFG ging an Sylvia Polleres, stellvertretende Institutsleiterin der Holzforschung Austria. Gewürdigt wird ihre Arbeit an dataholz.eu: Polleres hat den Online-Bauteilkatalog zu einem international genutzten Planungswerkzeug für den Holzbau ausgebaut, das Planung und Einreichung mehrgeschossiger Holzgebäude unterstützt. Laut buildingTIMES verzeichnet die Plattform jährlich mehr als 5,7 Millionen Zugriffe.
Polleres ist seit 2000 bei der Holzforschung Austria tätig und leitet seit 2008 den Bereich Holzhausbau. Sie arbeitet in internationalen Normengremien mit, leitet das Branchenseminar Holz_Haus_Tage und lehrt an der TH Rosenheim und an der TU Wien. Der Preis umfasst ein Freiticket für ein INNOVATORINNEN-Format der FFG. FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth sieht in der Auszeichnung einen Beleg dafür, wie viel Expertise Frauen in die angewandte Forschung einbringen.
PV-Recycling und 3D-Druck
Den ACR Start-up Preis erhielten die 2nd Cycle FlexCo und das Österreichische Forschungsinstitut für Chemie und Technik (OFI) für eine vollautomatisierte Hochdurchsatz-Prüfstraße, mit der ausgediente Photovoltaik-Module für die Wiederverwendung geprüft werden. Laut ACR ist es die erste Anlage dieser Art weltweit. Der dritte Innovationspreis ging an das Projekt „3D-MeKuh“ der M&H CNC Technik GmbH und des Österreichischen Gießerei-Instituts. Es ermöglicht eine präzisere Auslegung von 3D-gedruckten Bauteilen aus Metall, Polymer und hybriden Werkstoffen.
Wissenstransfer als Hebel für KMU
„Fruchtbare Innovationen entstehen dort, wo Wissen geteilt wird und auf unternehmerischen Mut trifft“, sagte ACR-Präsidentin Iris Filzwieser. Angelika Sery-Froschauer, Vizepräsidentin der WKÖ, verwies darauf, dass KMU großes Innovationspotenzial hätten, bei Forschung und Entwicklung aber oft an Ressourcengrenzen stießen. Im Eröffnungsgespräch diskutierten Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, Sery-Froschauer und ACR-Vizepräsident Thomas Oberholzner, wie sich technologische Stärke schneller in Wettbewerbsfähigkeit übersetzen lässt.
Weitere Informationen zu den Preisträgern: www.acr.ac.at/acr-awards