Expertenjury
Die Fachjury des diesjährigen Internorm-Architekturwettbewerbs (v. l. n. r.): Peter Larcher (Work Space Architekten ZT GmbH, Wien/Innsbruck), Karin Triendl (Work Space Architekten ZT GmbH, Wien/Innsbruck), Michael Salvi (Studio Salvi Weber ZT GmbH, Wien), Anja Innauer (NONA Architektinnen GesbR, Vorarlberg), Arian Lehner (Chefredakteur, architektur.aktuell, Wien), Anette Klinger (Miteigentümerin Internorm)
© Internorm

Architekturwettbewerb 2026: Wiener Altbausanierung und Einfamilienhaus aus Bratislava ausgezeichnet

Der Architekturwettbewerb 2026 von Internorm ist entschieden: In der Kategorie Objektbau siegt die Sanierung des Zinshauses „Wolfsaugasse 6“ in Wien, im Privatbau das „Haus mit Ring“ in Bratislava. Gesucht waren Projekte, in denen Fenster und Türen eine gestalterisch tragende Rolle spielen.

Zum achten Mal hat der oberösterreichische Fensterhersteller Internorm Planer:innen aus ganz Europa eingeladen, Projekte einzureichen, in denen Fenster und Türen als Gestaltungselemente eingesetzt werden. Der Architekturwettbewerb war in die Kategorien Objektbau und Privatbau gegliedert, zugelassen waren Bauten mit Fertigstellung zwischen 2020 und 2026. Die beiden Hauptpreise sind mit jeweils 2.000 Euro dotiert, zusätzlich vergab die Jury einen Sonderpreis Architektur.

„Gerade beim zukunftsorientierten Bauen wird deutlich, wie eng Energieeffizienz, Architektur und gesundes Wohnen miteinander verbunden sind“, sagt Anette Klinger, Miteigentümerin von Internorm. Tageslicht, thermischer und akustischer Komfort sowie eine gute Gebäudehülle seien wesentlich dafür, dass Gebäude langfristig nachhaltig funktionieren.

Objektbau: Zinshaus Wolfsaugasse 6 in Wien

Den Hauptpreis im Objektbau erhält die Wiener Wachter ZT GmbH für die Sanierung eines Zinshauses aus dem Jahr 1894. Das Gebäude wurde bis auf die grundlegende Tragstruktur entkernt, barrierefrei erschlossen und mit einem neuen Lift ausgestattet. Pro Etage entstanden zwei Wohnungen mit rund 60 bis 80 Quadratmetern. Straßenseitig sorgen französische Balkone für mehr Licht, hofseitig ergänzt eine neue Stahlkonstruktion mit tiefen Balkonen den Bestand. Teilweise raumhohe Fenster- und Fenstertürelemente sowie Oberlichten bringen Tageslicht in die Wohnungen; zugleich wurde der Bestand energetisch verbessert.

Gewinner Objektbereich „Wolfsaugasse 6“
Gewinner Objektbereich „Wolfsaugasse 6“ © Patrick Johannsen Fotografie

Jurymitglied Karin Triendl (Work Space Architekten) hebt die „respektvolle Fassadengestaltung“ hervor: „Für mich liegt der besondere Reiz darin, das vertraute Altbaufenster neu zu interpretieren und dem Haus damit eine neue Präsenz im Straßenraum zu geben.“ Anja Innauer (NONA Architektinnen) verweist auf die zeitgenössisch interpretierte Lochfassade, deren stehende Fensterformate und tiefe Laibungen ein differenziertes Relief erzeugen und sich in den gründerzeitlichen Straßenraum einfügen.

Privatbau: „Haus mit Ring“ in Bratislava

In der Kategorie Privatbau geht der erste Platz an abrama architekti aus Bratislava. Das 2025 fertiggestellte Einfamilienhaus ist als introvertierte, lineare Struktur angelegt, bei der der Garten in den Innenraum übergeht. Der Grundriss bildet einen durchgehenden Bewegungsring, die Erschließung wird so zu nutzbarem Wohnraum. Große Verglasungen und Sichtachsen stellen den Bezug zum Garten her; durchgehende Glasflächen lassen das Obergeschoss schwebend wirken, Stahlstützen gehen nahtlos in die Verglasung über.

Gewinner Privatbereich „Haus mit Ring“ – Innenraum mit klaren Linien und offene Blickachsen
Gewinner Privatbereich „Haus mit Ring“ – Innenraum mit klaren Linien und offene Blickachsen © Matej Hakár

Für den thermischen Komfort sorgen außenliegende Beschattung, Dachüberstände, Dreifach-Wärmeschutzverglasung, ein extensives Gründach und Kühldecken; Sonnenausrichtung und solare Gewinne wurden in der Planung berücksichtigt. „Mit wenigen, klaren Gesten entsteht ein Haus von bemerkenswerter Ruhe und Selbstverständlichkeit“, begründet Jurymitglied Michael Salvi (Studio Salvi Weber) die Entscheidung.

Sonderpreis: Heritage & Learning Centre der Leicester Cathedral

Der Sonderpreis Architektur geht an das Heritage & Learning Centre der rund 1.000 Jahre alten Leicester Cathedral, geplant von van Heyningen & Haward Architects im Rahmen des Projekts „Leicester Cathedral Revealed“. Die Erweiterung umfasst eine Ausstellungsgalerie, flexible Lernräume sowie Einrichtungen für Schulen, Gemeinschaftsgruppen und Besucher. Das Gebäude ist als Passivhaus mit hochgedämmter, luftdichter Hülle ausgeführt.

Ein großes Fixglasfenster richtet den Blick vom neuen Zentrum direkt auf das historische gotische Buntglasfenster der Kathedrale. Schmale, vertikale Fensteröffnungen und facettiertes Steinmauerwerk führen Tageslicht gezielt ins Innere. Verbaut wurden dreifach verglaste Holz-Aluminium-Fenster des Modells HF 410. Salvi lobt den „sensiblen Umgang mit dem historischen Bestand“ und die präzise Tageslichtführung, die den Dialog zwischen Alt und Neu erlebbar mache.

Architekturwettbewerb: Jury aus Architektur, Medien und Branche

Die Fachjury setzte sich 2026 zusammen aus Karin Triendl und Peter Larcher (Work Space Architekten ZT GmbH, Wien/Innsbruck), Anja Innauer (NONA Architektinnen GesbR, Vorarlberg), Michael Salvi (Studio Salvi Weber ZT GmbH, Wien), Arian Lehner (Chefredakteur architektur.aktuell, Wien) sowie Anette Klinger (Internorm/IFN, Traun).