Steigender Ölpreis
© adobe stock photo/Wuttichaik

Baupreise unter Druck: Empfehlungen der ÖBV für Ausschreibungen

Die derzeitige Krise am Erdölmarkt wirkt sich auf die Beschaffungssituation zahlreicher Erdölderivate und Folgeprodukte aus. Darüber hinaus verrechnen viele Baustoff-Lieferanten zusätzlich zu den ohnehin steigenden Stoffkosten, bereits eigene Treibstoff- bzw. Energiekostenzuschläge.

Die kumulierten Unsicherheiten der Kostenentwicklung durch die derzeitige Erdölkrise ausgelöst durch den Krieg im Iran führen bei Bauprojekten vielfach zu kaum kalkulierbaren Angebotspreisen bzw. zwingen die Unternehmungen zur Übernahme nicht kalkulierbarerer Risken. Insbesondere bei Festpreisverträgen, aber auch bei Verträgen mit veränderlichen Preisen, allerdings unzutreffender Preisumrechnungsgrundlage ist der wirtschaftliche Bestand der ausführenden Unternehmen gefährdet.
Im Hinblick auf derartige wirtschaftliche Rahmenbedingungen dürfen wir in Abstimmung mit unserer ÖBV-AG-AN-Experten-Gruppe in Erinnerung rufen, bei Ausschreibungen (Vergabeverfahren) folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • Bauaufträge sollen grundsätzlich nach veränderlichen Preisen ausgeschrieben, angeboten und abgerechnet werden.
  • Als Preisumrechnungsgrundlage soll ein sachlich zu treffender, wo möglich Gewerke-spezifischer Index vereinbart werden.

Soweit sinnvoll soll die Preisumrechnung getrennt für einzelne Leistungsteile mit der dem jeweiligen Leistungsteil sachgerecht zugeordneten Preisumrechnungsgrundlage festgelegt werden.

Bessere Kalkulierbarkeit

Besondere Aufmerksamkeit ist aktuell der Preisbasis zu widmen. Dabei sind die Größe und der Leistungsinhalt des Vergabeverfahrens zu berücksichtigen. Der Leistungsinhalt ist insbesondere in Abhängigkeit von den Hauptmaterialien und -gewerken zu bewerten.
Zur besseren Kalkulierbarkeit soll für den Anteil Sonstiges gegebenenfalls der Vormonat oder ein anderer geeigneter Zeitpunkt als Preisbasis festgelegt werden. Beispielsweise kann bei einem Abgabetermin in den ersten 10 bis 20 Tagen eines Monats der Vormonat vorgesehen werden.

Die Kombination aus blockierter Straße von Hormuz, explodierenden Rohöl- und Derivatenpreisen sowie steigenden Logistikkosten macht die konsequente Anwendung der ÖBV-Empfehlungen – veränderliche Preise, gewerkspezifscher Index, angepasste Preisbasis – nicht nur sinnvoll, sondern für viele Betriebe existenziell notwendig.