Beste Ideen zum Aufstocken mit Holz ausgezeichnet
Eine Fachjury kürte die Preisträger:innen. Bei der Preisverleihung am 21. Mai 2026 an der Technischen Universität Wien wurden die prämierten Entwurfsprojekte vorgestellt und Preisgelder in Höhe von insgesamt 19.500 Euro an die Sieger:innen-Teams überreicht.
Bodenschonendes und klimafreundliches Bauen
Drei Bauaufgaben in drei Städten standen im Rahmen des Wettbewerbs zur Auswahl. Gesucht waren Aufstockungslösungen mit Holz für ein Studierenden-Wohnheim in Laibach, ein Ärztehaus und Bürogebäude in München sowie eine Obdachlosen-Heimstätte in Wien.
In Europa und auch weltweit leben immer mehr Menschen in Städten. Städte wachsen rasant und stehen vor der Herausforderung, Wohnraum und Infrastruktur klimafreundlich und bodenschonend zu errichten. Eine Lösung liegt im Weiterbauen der bestehenden urbanen Gebäudestrukturen mit Holz. Denn so wird kein wertvoller, neuer Boden verbraucht und durch die CO2-Bindung im Holz das Klima entlastet.
Den nachwachsenden Rohstoff Holz nützen
Holz ist prädestiniert für Bauaufgaben der Nachverdichtung. Sein geringes Gewicht bei zugleich hoher Tragfähigkeit bietet große Vorteile bei Aufstockungen. Der hohe Vorfertigungsgrad im Holzbau führt zu kürzeren Bauzeiten und weniger Baustellenlärm, ebenfalls Faktoren, die gerade beim Bauen im Bestand von Bedeutung sind.
Holz ist ein Rohstoff, der in Europas Wäldern ausreichend vorhanden ist. Die Holzvorräte sind in den letzten Jahrzehnten stark angewachsen. Bauen mit Holz verlagert den Kohlenstoffspeicher vom Wald in die Gebäude und schafft einen zweiten Wald in den Städten. Anstelle der geernteten Bäume wachsen neue Bäume nach, die der Atmosphäre wieder aktiv CO2 entziehen. Gebäude aus Holz haben einen kleineren CO2-Fußabdruck als Gebäude aus anderen Materialien und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung des Gebäudesektors.
Materialgerechtes Entwerfen und Planen mit Holz
Das natürliche Material Holz stellt spezifische Anforderungen an das Planen und Bauen. Dieses muss entsprechend erlernt werden.
„Die proHolz Student Trophy, die wir bereits zum sechsten Mal ausgelobt und umgesetzt haben, ist ein wichtiger Bestandteil unserer Bemühungen um die Vermittlung von Holzbau-Knowhow an die Planer:innen der Zukunft. Mit dem Wettbewerb stoßen wir die konkrete Auseinandersetzung mit Holz und seinen spezifischen Eigenschaften bei den Studierenden auf internationaler Ebene an und schaffen so die Voraussetzungen für die vermehrte Anwendung des Baumaterials Holz.“
Richard Stralz, Obmann von proHolz Austria
Die proHolz Student Trophy 26 wurde von internationalen Universitäten und Hochschulen in Lehrveranstaltungen aufgegriffen. Beteiligt hat sich etwa auch der BMLUK Stiftungslehrstuhl „Holzbau und Entwerfen im urbanen Raum“ an der TU Wien, der eine weitere Maßnahme von proHolz Austria (gemeinsam mit dem österreichischen Waldfonds) zum Ausbau von Holzbau-Kompetenz bei den Architekt:innen und Planer:innen der Zukunft darstellt.
Die Siegerprojekte
Die Wettbewerbsbeiträge wurden von einer unabhängigen Fachjury anonymisiert beurteilt.
Diese 3 Entwurfsprojekte sind als Siegerprojekte aus dem Wettbewerb hervorgegangen:

©Klancar Karbic Lazar Likar
The social floor
Aufstockung Studierenden-Wohnheim Laibach
Mark Klančar, Eni Katarina Karbić, Neza Lazar, Zak Likar
Universität Ljubljana, Fakultät für Architektur
Oben mit Mehrwert
Die zweigeschossige Holzaufstockung ist unaufgeregt auf den Bestand gesetzt und baut diesen in angemessener Weise weiter. Vorgesetzte Balkonstrukturen bereichern die Zimmerbänder und Gemeinschaftszonen des Neubaus um qualitätvollen Außenraum. Die Bauteilfugen des Bestandsbaus werden gestalterisch aufgenommen, diese sind in den Grundrissen als Weiterentwicklung ablesbar. Besonders schön sind die doppelgeschossigen Aufenthaltszonen mit Küchennischen und darüberliegenden Galerien, die zum gemeinsamen Innenhof hin ausgerichtet sind und viel Licht und räumliche Abwechslung in die Architektur bringen. Das Tragwerk ist gut gelöst.
Text: Auszug aus der Jurybegründung

©Hitz Blaas Ludwig
Dunkle Schale, heller Kern
Aufstockung Ärztehaus und Bürogebäude München
Finn-Matti Hitz, Zeno Blaas, Jan Ludwig
TU München, Lehrstuhl für Architektur und Holzbau
Aufstockung mit Lichthöfen
Dreigeschossige Aufbauten werden auf das bestehende Volumen gesetzt, wobei der niedrigste Baukörper als Kulturpavillon formuliert wird. Die neuen Fassaden sind durch Luken und gelbe Markisen charakterisiert, die Horizontalbänder des Bestands werden – im Sinne des Reuse-Gedankens – aufgegriffen und weiterentwickelt. Mit einer öffentlichen Nutzung und parkähnlichen Außenraumqualitäten ist die Erdgeschosszone gemeinschaftlich gedacht und schafft so einen Mehrwert für das gesamte Quartier. Positiv bewertet wird auch das Fortführen der Bestandsstiegenhäuser. Die neuen Wohneinheiten sind durch vorgelagerte Atrien belichtet und belüftbar, die der Gemeinschaft dienen und die Erschließungsbereiche atmosphärisch und räumlich aufwerten.
Text: Auszug aus der Jurybegründung

©Dietrich Haring Karg
Im Dialog
Aufstockung Heimstätte für Obdachlose Wien
Pirmin Dietrich, Florian Haring, Benjamin Karg
TU Wien, BMLUK Stiftungsprofessur für Holzbau und Entwerfen im urbanen Raum
Verwebendes Weiterbauen
Der Neubau greift das Raster des Bestands auf und integriert es in seine Holzbauweise. In Wohngemeinschaften gruppieren sich jeweils vier Einzelzimmer um einen durchgesteckten Aufenthaltsraum, erschlossen werden sie über einen hofseitigen Laubengang. Dieser ist bestechend in seiner Qualität für Austausch und Kommunikation. Die Grundrisse sind sehr stimmig gelöst, die aufgezeigte Flexibilität in den dargestellten Varianten überzeugt. Das Stiegenhaus aus dem Volumen in den Garten zu setzen, ist ein kluges Mittel, um den Bestand konstruktiv und programmatisch freizuspielen. Die Skelettbauweise nutzt die Vorteile des Materials Holz optimal aus. Positiv ist zudem zu erwähnen, dass die historischen Fassadenthemen des Wiener Straßenzugs im Neubau als ornamentierte Lochfassade weitergedacht werden. Die gesamten Holzbaudetails sind engagiert ausgearbeitet.
Text: Auszug aus der Jurybegründung
Die 5 Anerkennungspreise gingen an Teams von:
- Bauhaus-Universität Weimar, Professur für Denkmalpflege und Baugeschichte
- FH Joanneum Graz, Institut für Architektur und Bauingenieurwesen
- TU Graz, Professur für Architektur und Holzbau
- TU Wien, Forschungsbereich Tragwerksplanung und Ingenieurholzbau
- TU Wien, BMLUK Stiftungsprofessur für Holzbau und Entwerfen im urbanen Raum