Der erste a3BAU.Summit holte die Sanierung auf die große Bühne
Es ist ein hübsches Stück Symbolik, dass ausgerechnet die Albert Hall den Rahmen abgibt. Ein neobarocker Prunksaal, prächtig herausgeputzt, dazu sanierte Räume mit modernster Eventtechnik – kurzum: ein Haus, das vorlebt, was den ganzen Tag über verhandelt wird. Erhalten statt abreißen, weiterbauen statt neu beginnen. Wer hier durch die Tür tritt, erlebte das Thema des ersten a3BAU.Summit bereits zu Beginn, bevor die Keynote stattfand.
Und weil Premieren bekanntlich keine zweite Chance auf einen ersten Eindruck bekommen, lud der Österreichische Kommunalverlag mit seinem Branchenmagazin a3BAU am 10. Juni 2026 gleich zum Vollprogramm: ein Fachkongress für Sanierung und Revitalisierung, der den Gebäudebestand nicht als Altlast, sondern als Entwicklungsgebiet versteht. Die Botschaft, die a3BAU Chefredakteurin Sabine Müller Hofstetter gleich zu Beginn vermittelte, ist so unbequem wie einleuchtend: Der Bestand ist einer der größten Hebel zur Erreichung der Klimaziele – und gleichzeitig jener Bereich, in dem politische Entscheidungen am stärksten wirken.
Warm-up beim a3Bau.Summit: Bestand als Chance, nicht als Bremse
Nach Anreise und Check-in eröffnete Mag. Sabine Müller-Hofstetter um 9.30 Uhr den Reigen. Den inhaltlichen Auftakt setzte Arch. Mag. Caren Ohrhallinger, Partnerin und Geschäftsführerin des Büros nonconform, mit dem programmatischen Impuls „Bestand als neues Entwicklungsgebiet". Ihre Kernthese: Der Gebäudebestand ist keine Einschränkung, sondern eine Chance – wenn man Beteiligung, neue Planungsansätze und ein Umdenken in der Praxis zulässt.

Den Kontrapunkt lieferte um 10:00 Uhr Architekt Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Manfred Wehdorn, einer der profiliertesten heimischen Köpfe in Sachen Denkmalpflege und Revitalisierung. Seine Frage „Hat es die Renovierung heute leichter oder schwerer?" beantwortete sich mit jahrzehntelanger Erfahrung – von denkmalgeschützter Bausubstanz bis zu den heutigen regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Bevor diskutiert wurde, kamen die Zahlen: Dipl.-Ing. Judith Mayr (Architects for Future Austria) und Dipl.-Ing. Magdalena Lang (Vorstandsvorsitzende IG Architektur) präsentierten um 10.15 Uhr die Umfrage zu einer „Umbauordnung" – jenem programmatischen Vorschlag, wie politische, rechtliche und planerische Rahmenbedingungen das Weiterbauen im Bestand endlich konsequent fördern könnten.

„Wir brauchen eine Umbaukultur" – das erste Panel
Ab 10.30 Uhr wurde es grundsätzlich. Im Panel Talk „Wir brauchen eine Umbaukultur" ging es um die Gretchenfrage: Welche politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen braucht es, um Umbau und Weiterbauen vor Abriss und Neubau zu stellen? Auf dem Podium trafen Univ.-Prof. Peter Bauer (werkraum ingenieure, Vizepräsident der ZT-Kammer Ost), Caren Ohrhallinger, Sophie Ronaghi-Bolldorf (bolldorf²architekten), Manfred Wehdorn und – als politische Stimme – Landesrätin Mag. Christiane Teschl-Hofmeister aus Niederösterreich aufeinander. Forderungen der Architekturszene, Initiativen auf Landesebene und gelebte Planungspraxis: Hier trafen die unterschiedlichen Sichtweisen produktiv aufeinander.

Mehr zum Panel "Wir brauchen eine Umbaukultur"
Best Practice am laufenden Band
Nach der Kaffeepause wurde es konkret – und zwar gleich in zwei Blöcken. Ab 11.45 Uhr führte „Best Practice Revitalisierung – Teil 1" durch drei Vorzeigeprojekte: die Revitalisierung des Alten Zollamts in Wien, die kreislauffähige Sanierung der Van-der-Nüllgasse 22 sowie die nachhaltige Gestaltung des denkmalgeschützten Sparkasse-OÖ-Headquarters in Linz. Es referierten Ing. Julia Gausterer (Knauf), die Wehofer-Architekten Fabian Lackinger und Kenneth Schernberger, DI Elmar Hagmann (DI Wilhelm Sedlak GmbH) sowie James Denk (Drees & Sommer Österreich).



Nach der Mittagspause legte „Teil 2" ab 13.15 Uhr nach: die Sanierung des Europäischen Patentamts in Wien, das Sanieren mit der „Energiefassade der Zukunft" und eine moderne Kaskadenlösung für Heizungssysteme im Bestand. Am Wort waren Dipl.-Ing. Hannes Achammer (ATP architekten ingenieure), Thomas Buchsteiner (Towern3000) sowie Josef Kurzmann und Philipp Poandl (beide Vaillant Group Austria).



Wer es noch praktischer wollte, hatte um 14.00 Uhr die Wahl zwischen zwei parallelen Workshops: Irene Ritsch (Renowate) stellte den „All-in-one Sanierungsansatz" vor, Marco Weiden (va-Q-tec Thermal Solutions) die ultradünne Hochleistungsdämmung im Bestand.


Rechnen, fördern, finanzieren
Der Nachmittag gehörte den nüchternen Fragen – jenen, an denen Sanierungsprojekte am häufigsten scheitern. Ab 15.10 Uhr folgten vier pointierte Impulsreferate Schlag auf Schlag: Dipl.-Ing. Christoph Müller-Thiede (M.O.O.CON) stellte „Neubau vs. Sanierung: Sind Bestandsgebäude wirklich günstiger?" zur Debatte, Christina Böckl (Renowave.at) zeigte „Neue Wege in der Sanierungsfinanzierung" auf, Ing. Markus Riel (Internorm) argumentierte die Sanierungsförderung als „wirtschaftlichen Multiplikator", und Rechtsanwältin Mag. Petra Rindler (Pflaum Wiener Rindler Opetnik) lotete die rechtlichen Spielräume und Grenzen der Sanierung im Bestand aus.



„Wer bezahlt Revitalisierung?" – das Geld-Panel
Damit war die Bühne bereitet für das vielleicht ehrlichste Panel des Tages. Ab 16.10 Uhr stritten unter dem Titel „Wer bezahlt Revitalisierung?" Elmar Hagmann, Mag. (FH) Nicole Fürntrath (Wirtschaftskammer Wien, Homebase Immobilienverwaltung), Markus Riel, Dipl.-Ing. Beatrix Rauscher (Baudirektion Stadt Wien) und Mag. Hans Jörg Ulreich (Bauträgersprecher der WKO Österreich) über Förderlandschaft, Mietrecht und die Frage, welche Anreize es wirklich braucht. Förderungen, Gesetze, strategische Weichenstellungen – all das entscheidet, ob Sanierung gelingt oder scheitert. Genau deshalb war der Summit ausdrücklich kein klassischer Kongress, sondern als direkter Draht zur Politik angelegt.

Das letzte Wort hatte um 17.00 Uhr die Politik selbst: Mag. Martin Orner, Leiter der Abteilung „Wohnstrategie" im Bundesministerium für Wohnen, schloss mit der Keynote „Wohnbau quo vadis? Im Dialog mit der Politik" – ein passender Bogen zurück zur Eröffnung.

Eine gelungenen Premiere: Klimaziele, Ressourcenknappheit und gesellschaftlicher Wandel machen das Bauen im Bestand zur Schlüsselfrage der Branche. Der erste a3BAU.Summit hat sie nicht in abstrakte Sonntagsreden verpackt, sondern dorthin gebracht, wo sie hingehört – in den direkten Dialog zwischen Planung, Praxis und Politik. Die nächste Auflage darf gern wiederkommen. Der Saal hat es vorgemacht: Bestand hat Zukunft.