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Bauwirtschaft unter Druck: Insolvenzen steigen weiter

1.089 Insolvenzen in der Bauwirtschaft und deutlicher Anstieg im Grundstücks- und Wohnungswesen prägen ein schwieriges Jahr 2025. Schwache Auftragslage, hohes Kostenniveau und Personalmangel belasten die gesamte Branche.

Die Bauwirtschaft verzeichnet im Jahr 2025 mit 1.089 Fällen die zweithöchste Anzahl an Unternehmensinsolvenzen in Österreich. Mit einem Anstieg von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr bleibt das Niveau hoch. Auf Position eins befindet sich der Handel mit 1.208 Fällen und einem Plus von vier Prozent.

Besonders auffällig ist die Entwicklung im Grundstücks- und Wohnungswesen: Mit 458 Fällen und einem deutlichen Anstieg von 38 Prozent schließt dieser Bereich das Jahr ab. Die anhaltenden Probleme der Bauwirtschaft – etwa eine schwache Auftragslage, das hohe Kostenniveau und fehlendes Personal – reflektieren zweifelsohne auf den gesamten Immobiliensektor.

Großinsolvenzen mit Baubezug

Darüber hinaus kommt es auch vermehrt vor, dass eine Insolvenz im Bereich der Bau- bzw. Immobilienwirtschaft (im Regelfall die Muttergesellschaft) nur der Startschuss für Folgeinsolvenzen ist, was in der Konstellation mit Projektgesellschaften begründet liegt. Rund die Hälfte aller Großinsolvenzen mit Passiva über 10 Mio. Euro weist einen direkten Bezug zur Immobilienbranche auf, sprich ist in den Bereichen Bau bzw. Grundstücks-/Wohnungswesen angesiedelt.

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung

Laut aktueller KSV1870 Hochrechnung mussten im Jahr 2025 in Österreich 6.857 Unternehmen (+4,1 %) Insolvenz anmelden. Trotz dieses Anstiegs sind die vorläufigen Passiva im Vergleich zum Vorjahr um 55,8 Prozent auf circa 8,38 Mrd. Euro gesunken. Ausschlaggebend dafür ist die im Jahr 2025 deutlich niedrigere Anzahl an Insolvenzen mit Passiva von mehr als 200 Mio. Euro. Die größte Pleite des Jahres betrifft jene der SIGNA Prime Capital Invest GmbH mit Passiva von 870 Mio. Euro.

Nach einem massiven Insolvenzschub im Jahr 2024 hat sich die Zahl der Firmenpleiten im heurigen Jahr nochmals erhöht. Als Folge einer jahrelangen Negativspirale schlitterten pro Tag 19 Unternehmen in die Pleite. MMag. Karl-Heinz Götze, MBA, Leiter KSV1870 Insolvenz, erklärt: "Das Insolvenzaufkommen ist auch im historischen Vergleich unverändert hoch und eine Abflachung der Kurve steht unmittelbar nicht bevor."

Nicht eröffnete Verfahren belasten Wirtschaft

Gleichzeitig ist die Zahl der mangels Kostendeckung nicht eröffneten Fälle im Vergleich zum Vorjahr um 8,5 Prozent auf über 2.600 Fälle angewachsen. Derartige Fälle machen bereits 38 Prozent aller Firmenpleiten aus und erhöhen den volkswirtschaftlichen Schaden beträchtlich. Diese Betriebe sind finanziell dermaßen ausgebrannt, dass sie nicht einmal die Kosten für die Eröffnung bei Gericht aufbringen können.

"Wird ein Insolvenzfall nicht eröffnet, ist eine professionelle Aufarbeitung unmöglich. Die Folgen sind verheerend. Der Betrieb muss geschlossen werden, alle Arbeitsplätze gehen verloren und die Gläubiger sehen keinen einzigen Euro", so Götze.

Bonität: Wirtschaft bläst rauer Wind entgegen

Die seit Dezember 2024 deutlich gestiegene Inflation hat die Kaufkraft in Österreich auch im Jahr 2025 massiv belastet. Darunter leidet nicht nur die Geschäftslage der Betriebe, sondern auch deren Umsatzentwicklung. Ausgehend von einem recht niedrigen Niveau sprechen im Rahmen einer KSV1870 Umfrage zwei Drittel der Betriebe von rückläufigen oder stagnierenden Umsätzen im Jahresvergleich.

Während im Jahr 2019 rund 15,4 Prozent aller damals aktiven Unternehmen in den beiden besten Ratingklassen (minimales bzw. sehr geringes Risiko) vertreten waren, sind es heute knapp 12,6 Prozent. "Immer mehr Unternehmen gleiten aufgrund der stagnierenden Wirtschaftslage in Richtung Mittelmaß ab, wodurch auch deren Ausfallrisiko steigt", analysiert Mag. Ricardo-José Vybiral, MBA, CEO der KSV1870 Holding AG.

Privatkonkurse bleiben stabil

Laut aktueller KSV1870 Hochrechnung wurden im Jahr 2025 in Österreich 8.840 Schuldenregulierungsverfahren (+0,2 %) eröffnet. Das entspricht 24 Fällen pro Tag. Trotz dieser Stagnation sind die vorläufigen Passiva um 17,8 Prozent auf 1,17 Mrd. Euro angewachsen – das entspricht im Schnitt knapp 133.000 Euro pro Schuldner.

Das Konsumverhalten der Österreicherinnen und Österreicher hat sich angesichts des hohen Kostendrucks in der jüngeren Vergangenheit deutlich verändert. 50 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass Privatpersonen heuer weniger konsumieren bzw. weniger Geld ausgegeben haben als in den vergangenen Jahren. Insbesondere in der Gastronomie/Beherbergung, im Handel und im Immobiliensektor ist die Konsumflaute allgegenwärtig.

Prognose 2026: Negativtrend setzt sich fort

Wie sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im nächsten Jahr entwickeln wird, hängt nicht zuletzt von Faktoren wie der Inflations- und Kostenentwicklung ab. Zwar erwartet die Wirtschaftsforschung eine eher abschwächende Inflation und einen moderaten BIP-Zuwachs, doch wie sehr diese Faktoren tatsächlich zu einer kurz- bis mittelfristigen finanziellen Entlastung der Unternehmen führen werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt offen.

Aus heutiger Sicht rechnet der KSV1870 mit einem ähnlichen Insolvenzniveau, wie wir es aus diesem Jahr bereits kennen. Damit sich die aktuelle Insolvenzdynamik beruhigt, bräuchte es deutlich verbesserte wirtschaftliche Rahmenbedingungen in zahlreichen Segmenten.

Gesetzesänderung könnte Lage verschärfen

Neben den bereits erwähnten Faktoren könnte eine gesetzliche Anpassung im Rahmen des Gesetzespakets zur Betrugsbekämpfung 2025 wesentlichen Einfluss auf die Insolvenzentwicklung nehmen. Im Kern würde mit dieser Novellierung ein massiver Eingriff in den seit mehr als 40 Jahre geltenden Gleichbehandlungsgrundsatz erfolgen und der Klassenkonkurs de facto wieder eingeführt werden.

Hintergrund ist, dass geleistete Sozialversicherungsbeiträge sowie Abzugssteuern, wie die Lohn- und Umsatzsteuer, von der Anfechtung durch den Insolvenzverwalter ausgenommen werden würden. Der KSV1870 hat in einem offenen Brief an die österreichische Bundesregierung seine massive Kritik geäußert. Denn bei Umsetzung ist davon auszugehen, dass es zu weniger Gläubiger- und späteren Schuldneranträgen kommen könnte, zudem könnten die Quoten für Gläubiger geringer ausfallen.