SiteRouter: Neuer Datenstandard für Baumaschinen
Der SiteRouter ist ein herstellerneutraler Infrastrukturbaustein für den standardisierten Datenaustausch in der Bauwirtschaft. Am 27. August haben die VDBUM Service GmbH und die DKE-Data GmbH & Co. KG einen Kooperationsvertrag unterzeichnet, mit dem die Umsetzung beginnt. Beide Partner sitzen in Deutschland: Der Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik (VDBUM) mit Sitz in Stuhr bei Bremen vernetzt Hersteller, Anwender und Dienstleister; DKE-Data entwickelt und betreibt branchenübergreifende Dateninfrastrukturen.
Ausgangspunkt ist ein praktisches Problem gemischter Flotten: Jeder Maschinenhersteller liefert Telemetrie- und Betriebsdaten über eine eigene Schnittstelle in ein eigenes Portal. Wer Geräte mehrerer Marken betreibt, muss entsprechend viele Anbindungen pflegen, bevor sich Einsatzzeiten, Verbräuche oder Standorte überhaupt gemeinsam auswerten lassen.
Was der SiteRouter technisch leistet
Im Fokus steht zum Start der zuverlässige und sichere Austausch von Telemetrie- und Betriebsdaten gemäß ISO 15143-3, besser bekannt als AEMP 2.0. Die Norm beschreibt, in welchem Format Baumaschinen ihre Betriebsdaten herausgeben. Der SiteRouter nutzt diese etablierte Semantik und deren Weiterentwicklung MIC 4.0 und führt die Datenströme aus gemischten Flotten herstellerübergreifend zusammen. Von dort stehen sie ERP-, BIM- und Analytics-Systemen zur Verfügung. Aus einer hohen Anzahl an Einzelschnittstellen wird nach Verbandsangaben eine einzige Anbindung.
Laut VDBUM ist dafür weder eine Komplettumstellung der bestehenden IT nötig noch entsteht eine Abhängigkeit von einem einzelnen Hersteller. OEMs und Softwareanbieter verbinden ihre Lösungen über eine definierte Schnittstelle, vorhandene Systeme werden integriert. Ein gemeinsames, neutrales Backbone soll zudem Integrations- und Wartungsaufwände senken und Verantwortlichkeiten klarer regeln.
Anwendungsfälle für den SiteRouter auf der Baustelle
Der Verband nennt vier Felder, in denen durchgängige Datenflüsse unmittelbar Nutzen bringen sollen: die automatisierte Zuordnung von Maschineneinsatzzeiten zu Projekten, CO₂- und Emissionsnachweise, die Dokumentation von Abtragstiefen im Erdbau sowie Soll-Ist-Vergleiche für den Baufortschritt. Entscheidend ist dabei weniger die Datenmenge als ihre Belastbarkeit: Die Datenflüsse sollen revisionsfähig sein, also nachvollziehbar und prüfbar dokumentiert – eine Voraussetzung etwa für Emissionsnachweise gegenüber Auftraggebern und Behörden.
Vorbild agrirouter: Erfahrung hinter dem SiteRouter
DKE-Data betreibt mit dem agrirouter bereits eine vergleichbare Plattform in der Landwirtschaft, über die Landmaschinen und Agrarsoftware unterschiedlicher Anbieter Daten austauschen. „Wir bringen unsere langjährige Erfahrung aus dem Aufbau und Betrieb branchenübergreifender Dateninfrastrukturen – insbesondere mit dem agrirouter in der Landwirtschaft – ein, um den SiteRouter zügig zu einer praxistauglichen und interoperablen Datenaustauschplattform für standardisierte Maschinendaten in der Bauwirtschaft zu entwickeln“, sagt Dr. Johannes Sonnen, Geschäftsführer der DKE-Data GmbH & Co. KG.
Dieter Schnittjer, Geschäftsführer der VDBUM Service GmbH, der die Vereinbarung unterzeichnete, betont den Anschlusscharakter des Projekts: „Der SiteRouter ersetzt nichts, er verbindet das, was wir bereits haben. Mit diesem Schritt schaffen wir eine gemeinsame, neutrale Infrastruktur für die nächsten Entwicklungsschritte unserer Branche.“
Was der SiteRouter für Österreich bedeutet
Organisatorisch ist das Projekt eine deutsche Initiative. Der VDBUM ist ein deutscher Verband, auch die zweite tragende Säule liegt in Deutschland: Die Arbeitsgemeinschaft MiC 4.0, deren Semantik der SiteRouter nutzt, arbeitet unter dem Dach des VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen, Gründungspartner ist der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. Ein österreichisches Pendant zu dieser Verbandsstruktur gibt es nicht; auch die für Nachfragen angekündigten Gesprächstermine liegen auf der NordBau im schleswig-holsteinischen Neumünster.
Technisch ist die Sache anders gelagert. ISO 15143-3 ist eine internationale Norm, die Maschinenhersteller weltweit umsetzen, und österreichische Software für Baustellendokumentation unterstützt die Schnittstelle bereits. Entscheidend für heimische Bauunternehmen ist deshalb weniger, wo der SiteRouter organisiert wird, als ob die Hersteller ihrer eigenen Mischflotte anschließen – und diese Hersteller agieren international. Für Anwender in Österreich hängt der Nutzen damit an den OEMs und den eingesetzten Softwarehäusern, nicht an einer Verbandsmitgliedschaft.
Offen ist bislang, ob und wann der SiteRouter über den deutschen Markt hinaus angeboten wird. Weder die Aussendung noch die Projektseite des VDBUM machen dazu Angaben. Wer in Österreich plant, sollte die Entwicklung beobachten, aber vorerst mit den Telematikschnittstellen arbeiten, die die eigenen Hersteller heute liefern.
Wie es mit dem SiteRouter weitergeht
Vorgesehen sind schrittweise nutzbare, standardbasierte Datenflüsse: Nach der Datenübergabe gemäß ISO 15143-3 sollen perspektivisch weitere Domänen eingebunden werden, darunter Planungs- und Geometriedaten sowie Wiegedaten. Damit ließen sich Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette abbilden. Einen Zeitplan für die einzelnen Ausbaustufen nennt der Verband bislang nicht.
Bei der Unterzeichnung waren der gesamte VDBUM-Vorstand sowie die Gesellschafter der DKE-Data GmbH & Co. KG anwesend. Weiterführende Gespräche mit Dieter Schnittjer und mit René Esselmann, Leiter Entwicklung Mitgliedernetzwerk beim VDBUM, sind auf der NordBau oder im Nachgang der Messe möglich.