Wo sich Europa unter den Alpen die Hand reicht
Die ARGE H53 bestehend aus PORR und MARTI hat am Brenner Basistunnel (BBT) einen bedeutenden Meilenstein erreicht: Nahezu zeitgleich erfolgte in der westlichen und östlichen Haupttunnelröhre des Bauloses H53 Pfons–Brenner der Durchschlag zur Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien. Damit schließen die von Österreich aus aufgefahrenen Tunnelabschnitte an die bereits fertiggestellten Haupttunnelröhren des italienischen Bauloses H61 Mauls 2–3 an.
Die letzten Zentimeter – der Augenblick, auf den alle hingearbeitet haben
PORR CEO Karl-Heinz Strauss würdigt die außergewöhnliche Leistung der Mannschaften: „Ein bedeutender Moment wie dieser ist das Ergebnis von Einsatzbereitschaft, Fachkompetenz und Teamgeist. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben unter anspruchsvollen Bedingungen Außergewöhnliches geleistet. Wir haben bereits im Schulterschluss mit allen Projektbeteiligten enorm viel erreicht, gleichzeitig liegen noch wichtige Aufgaben vor uns. Heute feiern wir diesen Erfolg und blicken mit Stolz auf die eigene Leistung zurück.“
Der Durchschlag erfolgte rund 1.408 m unter der Geigenspitze auf einer Höhe von etwa 794 m über dem Meeresspiegel. An der Durchschlagsstelle arbeiteten sich die Vortriebsmannschaften durch Zentralgneis – ein besonders hartes Gestein der innersten und tiefsten geologischen Einheit des Tauernfensters. Die Bedingungen unter Tage waren anspruchsvoll: Felstemperaturen von rund 30 °C, lange Transportwege sowie die geologischen Anforderungen stellten Mensch und Technik gleichermaßen vor Herausforderungen.
Eine Chronologie der Ereignisse
Es ist geschafft: Exakt um 10:35 Uhr wurde der historische Durchschlag vollendet. Nur Augenblicke später und unter Jubel, betreten die Mineure und Techniker den Tunnelabschnitt auf der anderen Seite der Brennergrenze und reichen ihren italienischen Kolleginnen und Kollegen die Hand. Mit dem Durchschlag schloss der österreichische Vortrieb aus dem Baulos H53 Pfons–Brenner an die bereits fertiggestellten Haupttunnelröhren des italienischen Bauloses H61 Mauls 2–3 an. Österreich und Italien sind nun auch durch die beiden Eisenbahntunnel des Brenner Basistunnels dauerhaft zusammengeschlossen.

Copyright: BBT SE / Alan Bianchi
Der Moment, in dem zwei Baustellen eins werden
Mit diesem bedeutenden Ereignis sind nicht nur zwei Tunnelabschnitte nun fertig gestellt, sondern es begegnen sich auch zwei Baustellen, die mehrere Jahre unabhängig voneinander vorangetrieben wurden: Das österreichische Baulos H53 Pfons–Brenner und das italienische Baulos H61 Mauls 2–3.
Zwei unterschiedliche Tunnelbaumethoden wurden dafür angewendet. Auf italienischer Seite trieben die Tunnelbohrmaschinen Virginia und Flavia die beiden Haupttunnelröhren maschinell bis zur Staatsgrenze vor. Auf österreichischer Seite erfolgte der Vortrieb konventionell im bergmännischen Sprengvortrieb. Der heutige Durchschlag verbindet damit nicht nur zwei Länder und zwei Baustellen, sondern auch zwei bewährte Methoden des modernen Tunnelbaus.
Dieses bedeutende Kapitel markiert daher weit mehr als einen bautechnischen Erfolg. Er steht für die enge Zusammenarbeit zweier Staaten, Ingenieurskunst und für den unermüdlichen Einsatz aller Projektbeteiligten, die diese Eisenbahnanlage mit Kompetenz und Leidenschaft verwirklichen.
Für die Vorstände der BBT SE, Martin Gradnitzer und Umberto Lebruto zählt der heutige Tag, daher zu einem der wichtigsten Meilensteine in der Projektgeschichte des Brenner Basistunnels: „Mit der Zusammenführung der beiden Haupttunnelröhren erreicht der BBT ein weiteres, wichtiges Etappenziel. Künftig werden hier die Güter- und Personenzüge zwischen Österreich und Italien verkehren. Dieser Erfolg zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn über Grenzen hinweg an einer gemeinsamen Aufgabe gearbeitet wird. Das Projekt trägt viele Namen, aber vor allem steht die Handschrift der Menschen, die ihn Tag für Tag gebaut haben.“
Präzision als Schlüssel zum Erfolg
Dieses außergewöhnliche Ereignis im Tunnelbau wäre ohne höchste vermessungstechnische Präzision nicht möglich gewesen. Der Erkundungsstollen wurde von den Zufahrtstunneln Wolf und Mauls aus mit modernster Messtechnik vorgetrieben. Beim Durchschlag im September 2025 lag die Abweichung im einstelligen Zentimeterbereich. Diese exakten Vermessungsdaten bildeten die Grundlage für den Vortrieb der Haupttunnelröhren.
Erfolg gehört den Menschen im Tunnelbau
Die eigentlichen Hauptdarsteller dieses historischen Tages tragen keine Anzüge. Es sind die Mineure, Poliere, Sprengmeister, Maschinisten, Elektriker, Vermesser, Geologinnen und Geologen, Sicherheitsfachkräfte sowie Ingenieurinnen und Ingenieure. Menschen, die über viele Jahre Tag für Tag, Schicht für Schicht und Meter für Meter unter anspruchsvollsten Bedingungen unter dem Gebirge gearbeitet haben.
Michael Knapp, Projektleiter des Bauloses H53 Pfons-Brenner: „Tunnelbau bedeutet, jeden Tag aufs Neue mit Herausforderungen zu arbeiten. Das Gebirge hat uns in diesem Baulos immer wieder gefordert und vor unerwartete Aufgaben gestellt. Mein besonderer Dank gilt unserem gesamten Team, der bauausführenden ARGE H53 (PORR und Marti) und der örtlichen Bauaufsicht für ihren großen Einsatz.“
Alessandro Marottoli, Projektleiter des Bauloses H61 Mauls: „Wir erleben heute einen weiteren historischen Tag für das BBT-Projekt. Zu wissen, dass ab heute drei Tunnel Österreich und Italien durch den Brenner Basistunnel verbinden, erfüllt das gesamte BBT-Team mit großem Stolz – ein Team, das auf beiden Seiten der Grenze unermüdlich an einem gemeinsamen Ziel arbeitet. Ein Dank gilt auch der Arbeitsgemeinschaft BTC (Webuild, Ghella, Cogeis und PAC), mit der wir die Vortriebsarbeiten auf italienischer Seite bis zum Brenner durchgeführt haben.“
Mit dem heutigen Durchschlag richtet sich der Blick bereits auf den nächsten großen Bauabschnitt. In den kommenden Wochen und Monaten konzentrieren sich die Arbeiten auf die beiden letzten Tunnelbohrmaschinen „Wilma“ und „Olga“, die die Haupttunnelröhren in Richtung Innsbruck vorantreiben. Mit Abschluss dieser Vortriebe werden die gesamten Röhren der Eisenbahntunnel durchgehend hergestellt sein.
Höchste Präzision als Voraussetzung für den Erfolg
Der Sprengvortrieb im Los H53 startete im März 2024. Je nach Gebirgsverhältnissen konnten pro Sprengzyklus zwischen zwei und fünf Meter Tunnel hergestellt werden. Bis zum Durchschlag wurden im Baulos H53 Pfons–Brenner rund 5,0 km im Osttunnel sowie rund 5,1 km im Westtunnel im Sprengvortrieb aufgefahren.
Die beiden Haupttunnelröhren wurden gleichzeitig errichtet. Pro Vortrieb arbeiteten jeweils sechs bis acht Mitarbeitende im Vier-Schicht-Betrieb rund um die Uhr. Damit beide Röhren die Staatsgrenze nahezu zeitgleich erreichen konnten, war eine präzise Abstimmung sämtlicher Arbeiten erforderlich. Dazu zählten die exakte Vermessung der Tunnelachsen, die laufende Anpassung der Vortriebsleistung an die geologischen Verhältnisse sowie eine koordinierte Einsatzplanung von Personal, Maschinen und Material.
Über die gesamte Vortriebslänge von mehr als 5 km durfte die Abweichung von der geplanten Tunnelachse lediglich wenige Zentimeter betragen. Nur dank hoher Präzision konnten die von Österreich und Italien aus aufgefahrenen Tunnelabschnitte erfolgreich zusammengeführt werden.
Nächste Etappe auf dem Weg zur Fertigstellung
Der erfolgreiche Grenzdurchschlag unterstreicht einmal mehr die Leistungsfähigkeit der am Brenner Basistunnel beteiligten Teams. Mit jedem weiteren Baufortschritt rückt die Fertigstellung eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte Europas näher und damit ein entscheidender Beitrag zu einem nachhaltigen europäischen Güter- und Personenverkehr auf der Schiene.
Der Brenner Basistunnel wird künftig mit einer Gesamtlänge von 64 km die wichtigste Nord-Süd-Eisenbahnverbindung durch die Alpen bilden und einen wesentlichen Beitrag zur Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene leisten.
Nach dem heutigen Meilenstein richtet sich der Blick bereits auf die nächsten Bauetappen. In den kommenden Monaten treiben die beiden Tunnelbohrmaschinen Olga und Wilma die Haupttunnelröhren weiter in Richtung Innsbruck voran. Damit rückt dieses europäische Schlüsselprojekt einen weiteren Schritt näher.
Projektfortschritt
Beim Brenner Basistunnel handelt es sich um ein Tunnelsystem, das sich über eine Gesamtlänge von 230 km erstreckt. Bis dato wurden 220 Tunnelkilometer vorgetrieben.
114 km – Haupttunnel
57 km - Erkundungsstollen
49 km – sonstige Tunnel
Alle Daten und Fakten auf einen Blick:
Projektart: Tunnelbau, Spezialtiefbau
Leistungsumfang: Errichtung von zwei Haupttunnelröhren mit einer Gesamtstrecke von 25,2 km sowie zusätzliche 3,6 km Tunnelstrecken, dazu sämtliche Innenschalen
Auftraggeber: BBT SE
Auftragnehmer: PORR Bau GmbH, MARTI GmbH, MARTI Tunnel AG
Projektdauer: Knapp 6 Jahre
Auftragsvolumen: 959 Mio. Euro (ARGE)